#Strategie

Warum kosten Webseiten eigentlich was sie kosten?

Immer wieder werde ich gefragt: "Warum kosten Webseiten eigentlich soviel? Man kann sie ja nicht einmal in die Hand nehmen. Ist das nicht Wucher für die Leistung die man bekommt?"

"Die Leistung", was bekommt man denn eigentlich für sein Geld wenn man eine Webseite bestellt?

Welche Arbeit steckt hinter einer Webseite?

Ich möchte das mal erläutern. Dazu fangen wir ganz am Anfang an, denn eine Webseite geht durch sehr viele interne Hände bis das fertige Produkt beim Kunden liegt:

  • Angefangen wird bei einem individuellen, persönlichen Gespräch. Hier werden Wünsche und Vorstellungen geteilt, um die Kreativität beim Konzepter anzuregen. Das ist die erste Person die das ganze Projekt zum Starten bringt.
  • Bevor jedoch gestartet werden kann muss auf beiden Seite klar sein, welche Rahmenbedingungen herrschen. Hierzu wird oft ein individueller Kostenvoranschlag, meist auch schon erste Konzepte erstellt.
  • Der Auftrag wurde bestätigt und die fleißigen Konzepter können ans Werk gehen und das Gesamtbild ausarbeiten. Es werden gegebenenfalls Moodboards, Wireframes und Mock-ups erstellt und aufwändig recherchiert. "Welche Zielgruppe hat der Kunde? Was interessiert sie? Was wollen sie haben?" Mobile Geräte müssen beachtet werden, denn dort haben Inhalte wesentlich weniger Platz: Auf was kommt es an?
  • Der Designer ist am Zug. Er ist das kreative Hirn zwischen den Pixeln und Vektoren. Es werden Farben ausgesucht, erste Logo-Entwürfe fliegen über den Bildschirm. Die Wireframes werden in Designentwürfen umgesetzt. Der Kunde möchte etwas sehen, aber nicht mehr nur am Bildschirm auf seinem PC, sondern auch auf seinem Smartphone und Tablet.
    "Klickbar, ja das soll es sein!" Es werden aufwändige Demos erstellt.
  • Die Entwürfe kommen an und der Kunde ist zufrieden mit der Arbeit. Der schönste Tag im Leben eines Designers, denn das ist eher selten der Fall. Es werden Änderungen gemacht, Pixel geschoben, weitere Bilder und noch mehr Text eingefügt. "Das Logo muss noch größer sein, man sieht es ja fast nicht!"
  • Alles ist abgenommen, der Kunde ist glücklich. Doch damit ist aber sein Job nicht getan. Jetzt geht es in die Zusammenarbeit mit den Front-end Entwicklern. Sie werden zu Jongleuren, die das Gestaltete umsetzen. Sie sind diejenigen, die die Pixel zu Zahlen und Buchstaben zusammenwürfeln. Der Designer wird zum Dirigent, der koordiniert und sich weiterhin Gedanken um Details machen muss. "Wie funktioniert ein Button? Was soll er machen? Und was machen eigentlich diese Slideshows? Welcher crazy Effekt soll beim vierten Bild kommen, wenn das Dritte sich schon im Kreise dreht?"
  • Extensions werden erstellt. Der Back-end Entwickler hantiert mit Algorithmen und komplizierten Berechnungen. Er realisiert die logischen, auf den Kunden zugeschnittenen, Komponenten der Webseite. TYPO3 (eines der CMS, die wir nutzen) wird für die Bedürfnisse des Kunden angepasst.
  • Der Front-end Entwickler ist noch am Umsetzen des Designs, denn der Kunde wollte doch noch eine Spalte für Werbung. Mobile Ansichten werden angepasst. Es ist eben nicht mehr nur eine Auflösung eines 4:3 Monitors mit 1024 Pixel, sondern viele verschieden Formate und Auflösungen, dazu komme ich aber gleich noch.
  • Die Qualitätssicherung macht ein Cross-Browser-Testing. Warum ist das so wichtig?
    Es gibt 5 große Browser: Firefox, Safari, Chrome, Internet Explorer und Opera, dazu die mobilen Applikationen für Android und iPhone wie Chrome- / Safari Mobile, Opera Mini, IE Mobile ... hinzu kommen verschiedene Versionen der Browser und Betriebssysteme und das allerwichtigste: Auflösungen! Es werden die verschiedensten Bildschirmauflösungen getestet.
    Jeder zweite Smartphone Hersteller denkt sich jedes Jahr neue, bessere Auflösungen aus, auf die angepasst werden muss. Da reicht es einfach nicht mehr aus, sich das Ganze nur am Computerbildschirm anzuschauen. Es werden Mobile Geräte angeschafft, damit effektiver getestet werden kann. Wir sprechen hier nicht von 5 verschiedenen Auflösungen sondern eher Richtung 50. Beachtet werden dann auch die Retina-Displays die nochmals andere ppi Werte auf der selber Auflösung haben. Dazu muss man sich auch noch im Hinterkopf behalten, dass die mobilen Datenverbindungen nicht immer die schnellsten sind. Mit langen Ladezeiten gewinnt man keine neuen Kunden. Das sind alles Faktoren die beachten und berücksichtigt werden müssen.
  • SEO muss gemacht werden, denn die Seite soll ja auch gefunden werden.
  • Bugs werden ausgebessert, mobile Ansichten optimiert. Inhalte werden eingepflegt, Bilder werden positioniert, nein ... erstmal neu gemacht, da sie eine schlechte Auflösung hatten. "Könnten Sie das noch rein machen, ich hab gesehen, dass mir der Satz doch nicht so gefällt und das Bild auf der zweiten Seite soll doch lieber auf die Dritte."
  • Die Deadline ist da.
  • Es kommt zum Finale Release, der Kunde ist zufrieden, wir auch. Es wird noch ein Lob für die die unproblematische Zusammenarbeit ausgesprochen und die Webseite wird auf den Live-Server geladen. Domain und Mail-Adressen werden eingerichtet und dann dem Kunden übergeben.

So, oder so ähnlich läuft das ab, wenn ein Auftrag rein kommt.

Ich hoffe, ich konnte mit diesen Punkten die ungefähren Abläufe innerhalb einer Agentur, sowie der Aufwand, der in einer Webseite steckt näher bringen. Es ist nicht nur die Arbeit, die der Kunde am Schluss sieht, sondern auch die, die im Hintergrund abläuft. Die Webseite muss immer und überall funktionieren und das geht nur mit einem sehr erfahrenen und motivierten Team.