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Ein Blick zurück: Beyond Tellerrand Düsseldorf 2017

Wenn man mich fragen würde, wie es ist bei Beyond Tellerrand zu sein, dann wäre meine Antwort wahrscheinlich:“Einladend und inspirierend!”, gefolgt von einem langen Monolog darüber, warum ich denke, dass es eine der besten Konferenzen in der Web Industrie ist. Der Monolog würde höchstwahrscheinlich Wörter wie “die Athmosphäre”, “solche Vielfalt” und “verdammt gute Organisation von Marc” enthalten.

Nachdem ich 2016 schon bei der BTConf Düsseldorf anwesend war, wollte ich unbedingt wieder hingehen. Es war eine der besten Konferenzen, die ich bisher besuchen konnte, was natürlich hohe Erwartungen an die diesjährige Auflage bedeutete. Ich hab mich schon sehr darauf gefreut einige Freunde zu treffen, neue Freunde kennenzulernen und Leute zu treffen, die ich bisher nur von Twitter oder durch ihre Blogs kannte. Liebste Grüße an euch wunderbare Menschen an dieser Stelle!

Das Line-Up an Sprechern sah vielversprechend aus, genauso wie die Events, welche um die Konferenz herum stattfanden. Sonntagnachmittag angekommen, hab ich im Hotel meine sieben Sachen abgelegt und bin zu Sipgate aufgebrochen, wo das Warm-Up für die Konferenz stattfand.

Aufwärmen – Chillin’ ‘n’ Grillin’ bei Sipgate

Gratis Getränke, gratis Essen (vegan, vegetarisch, gegrillte Köstlichkeiten wie Pulled Pork, Hähnchen und Steak) sponsored by Sipgate und gratis Talks. Wir saßen bis 22Uhr vor dem Büro und haben uns ausgetauscht über Gott und die Welt und das Web. Wenn man besonders neugierig war, konnte man sich auch durch die einzelnen Büroräume führen lassen.

Die erste kleine Nettigkeit, welche ich nicht unerwähnt lassen möchte und welche nur eine von vielen Details war, die diese Konferenz so besonders machen: man konnte sich bereits hier seinen Badge abholen, so dass die Wartezeit am nächsten Morgen für alle etwas kürzer sein würde.

Tag Eins

Aufwachen. Du stellst fest, du bist in einem Hotel. Du stellst fest, es ist Zeit für BTConf. Duschen, Frühstück, auf zum Capitol.

Tag Eins - Die Ausstellung

Ich kam gerade recht beim Capitol Theater an und traf meine Freunde Jan and Mario. Wir haben uns unter die Menge gemischt und sind dann auch ins Gebäude rein. Das Foyer, welches Marc zurecht "Die Ausstellung" nennt, war gefüllt mit Menschen. Es gab Sponsorenstände und eine Ecke wurde vom Microsoft Edge Team ausgefüllt, in welcher man alle Talks auf einem großen Fernseher anschauen konnte. Eva-Lotta Lamm fertigte wieder Sketchnotes von allen Talks an. Sie hatte außerdem einen Stehtisch, wo man sich Poster kaufen konnte, welche sie gestaltet hatte (sie hat jedem, auf Nachfrage, eine persönliche Zeichnung auf dem Poster hinzugefügt - sehr sehr cool).

Direkt neben einer der beiden Bars stand ein Tisch mit Büchern darauf. Dieser Tisch, eine neuer Teil der Ausstellung, war der "Book Exchange". Auf Vorschlag von Frederic Hemberger konnte man alte Bücher mitbringen und sie auf den Tisch stellen, so dass andere diese mitnehmen konnten. Gratis.

Ebenfalls gratis: es gab einen ganzen Tisch voll mit Süßigkeiten, sponsored by Mozilla.

All das umgab die Theke in der Mitte, wo die freiwilligen Helfer sich abgerackert haben um Fragen zu beantworten, Teilnehmern ihre Badges auszuteilen, Goody Bags und jedwede Information rauszugeben, die benötigt wurde. Wo ich gerade dabei bin: großes Lob an die freiwilligen Heler, welche ich teilweise kennenlernen durfte: danke für die tolle Arbeit!

Viele liebe Grüße an meine Freunde von etherTec Systems, die sich wieder um das Wi-Fi gekümmert haben. Wenn man die Menge an Daten bedenkt, die da durchs Netz geht - Respekt.

Tag Eins - Das Auditorium

Beim Betreten des Autoriums wurde man von Tobi Lessnow mit Musik begrüßt. Tobi ist Musiker, der Live, während des Events Stücke produziert und, genau wie letztes Jahr, war er unglaublich gut. Hinter seinem Equipment tanzend, headbangend, popowackelnd - er hat jeden mitgerissen. Letztes Jahr nur an der Seite der Bühne, war er dieses Jahr auf der Bühne selbst und hat sein Ding gemacht.

Vorne auf der Bühne stand ein alter Röhrenfernseher auf welchem eine C64 demo von Björn Odendahl lief. Er hatte letztes Jahr auch das Shirt in diesem Retro-Stil gestaltet.

Setz dich hin! Es geht los!

Musik aus, Lichter aus, die Show geht los. Sebastian Lange hat abermals das Video für die Vorstellung der Speaker by Sebastian Lange gemacht und es war sehr beeindruckend. Direkt im Anschluss hat Marc Thiele dann die Bühne betreten. Lächelnd begrüßte er die Teilnehmer und stellte auch schon den ersten Sprecher des Tages vor: Christian Heilmann.

Eine kurze Bemerkung zu dem Ablauf bei Beyond Tellerrand: jeder Talk wird von einer 15- oder 30-minütigen Pause gefolgt and mittags gibt es eine zweistündige Pause. Vor und nach jedem Talk geht Marc kurz auf die Bühne und spricht ein paar Worte darüber, was als nächstes ansteht, oder wer, oder wonach man im Foyer Ausschau halten sollte.

Breaking Out of the Tetris Mindset

Obwohl er am Tag vorher erst aus Seattle geflogen kam und ein heftiges Jetlag mitgebracht hatte, war Christians Talk ein wunderbarer Anfang. Er erzählte, wie all die verschiedenen Bausteine des Internets zusammen, es zu dem machen, was es ist: ein diverses Medium, gemacht von sehr unterschiedlichen Menschen. Ein Medium, welches nach 20 Jahren Entwicklung immernoch fundamentale Probleme aufweist. Jedoch tragen beide Ende des Entwicklerspektrums dazu bei, dass es sich stets verbessert.

"Wenn Tetris mich eins gelehrt hat, dann das Fehler sich aufeinander stapeln und Errungenschaften verschwinden."

Am Ende bringt Chris es auf einen einzigen Satz, welcher in der W3C HTML Design Prinzipien Spezifikation festgehalten ist:

"Bei Konflikten bedenke immer den Benutzer, dann Autoren, dann Implementierer, dann Spezifikationen und dann theoretische Reinheit."

Ich empfehle das Transkript seines Talks in seinem eigenen Blog oder am Ende des Wrap-Up Posts (alle angefertigten Videos und Transkripte sind da zu finden) zu lesen.

Cultivating Community

Nach diesem tollen Eröffnungstalk kam Sharon Steed auf die Bühne um über Kommunikation zu sprechen. Zum Einen darüber, we wir als Menschen generell oder als Teil einer Gruppe (sei es in der Firma oder als Entwickler oder Designer oder als Social-Media Nutzer) miteinander reden und zum Anderen, wie man diese Kommunikation verbessern kann; wie man sie nutzen kann um einen nützlicheren Beitrag in unseren Teams zu leisten.

"Empathie ist das Fundament aller großartigen Gemeinschaften!"

Sharon, welche eine Sprachbehinderung hat, sie stottert, ist "Empathie Consultant". Sie machte klar inwiefern und warum Empathie ein wichtiges Thema ist und wie gute Kommunikation eine Gemeinschaft inklusiver machen kann und auch, was es bedeutet, positive Gespräche zu führen.

Design Systems

Da ich Jinas Talk bereits mehrfach gehört habe, war es für mich persönlich nicht allzu interessant. Die Begeisterung im Publikum war allerdings eindeutig vorhanden. Jina hat für einige der größten Firmen in unserer Branche, wie zum Beispiel Apple oder Github, gearbeitet und weiß so ziemlich alles über das Thema Design Systeme.

Zuerst schaute sie zurück und erzählte, wie lange es schon solche Systeme gibt. Sie erzählte auch wie Pattern Libraries, Styleguides und Toolkits sich mehr und mehr verbesserten und auch immer mehr zu einem Produkt wurden.

Herausforderungen und wie man diese überwindet, war für mich das Interessanteste an dem Talk. Vor allem da ich auf die harte Schiene herausfand, wie sich die Instandhaltung eines Designs Systems gestaltet, wenn dieses immer weiter wächst und parallel zu einer Website entwickelt wird.

Comedy und Microservices

Phil Hawksworth. Ich mag Phil. Kennengelernt hab ich ihn auf einem Bier-Fahrrad in Freiburg während der Smashing Conference 2014. Als ich hörte, dass er bei der BTConf sein würde, hab ich ihm sofort eine Nachricht via Twitter zukommen lassen.

Phil erzählte von Microservices und wie diese bereits getesteten und funktionierenden Lösungen zu existierenden Problemen von Web Entwicklern genutzt werden können, um sich die viele Arbeit zu ersparen, diese selbst zu schreiben.

Da ich dieses Gefühl von "ach, ich schreibs lieber selbst" gut kenne, hat mir Phils Talk sehr geholfen zu unterscheiden, wann es Sinn macht von diesem Pfad abzuweichen und vorgefertigte Lösungen von anderen zu verwenden. Das beste Beispiel, das mir hierzu einfällt und welches auch von Phil erwähnt wurde, ist IFTTT.

"Es liegt Macht darin Verantwortung abzugeben."

"If This, Then That" ist eine riesige Sammlung von Microservices. Man kann sich eigene Rezepte erstellen oder von anderen Erstellte nutzen. Ein Rezept kann wie folgt aussehen:"Wenn ich etwas in meinem Blog poste, dann schick eine Nachricht auf Twitter raus, poste etwas in Facebook und schieb den ganzen Post zu Medium." Seit ich das letzte Mal dort war, hat sich einiges getan.

Phil sprach auch über Static Site Generators und erklärte, wie Microservices statischem Inhalt dynamische Inhalte hinzufügen können, um das Erlebnis anzureichern.

Einer der Hauptpunkte, die bei mir hängengeblieben sind:

"Komplexität kann eine Barriere sein, während Simplizität einem Möglichkeiten aufzeigen kann."

Die Dinge einfach zu halten und Komplexität zu vermeiden, kann das eigene Leben und das seiner Kollegen so viel leichter machen.

Hacking the Visual Norm

Diagramme und Datendarstellung sind nicht gerade mein Thema. Für mich war das immer Teil von endlosen Meetings, in denen Leute Baumdiagramma und Tortendiagramma um sich werfen und wo sich auf der X-Achse der Spaß befindet und auf der Y-Achse die Dauer des Meetings - wir wissen alle wie dieser Graph aussieht oder?

Und hier steht Nadieh Bremer und zeigt wie man Datendarstellung mit d3.js in etwas verwandeln kann, was unfassbar kreativ und äußerst beeindruckend ist. Ihr solltet ihre Seite Visual Cinnamon mal besuchen und es euch selbst ansehen. Ich sehe mich leider nicht in der Lage das auch nur annähernd adäquat zu beschreiben, was Nadieh da macht.

Für mich hat sie eines der trockensten Themen, mit welchem jede Firma auf die eine oder andere Art zu tun hat, in Kunst verwandelt.

Peace, Hellfire and Outer Space

Wo ich gerade von Kunst rede: hier kommt Seb Lester (Gestalter von Schriftarten, Künstler, Kalligraph) und zeigt dem Publikum we seine Schriften in der ganzen Welt - und darüber hinaus - miss-, äh, gebraucht wurden

Die NASA hat seine Schriftart Neo Sans für eine ihrer Missionen ausgewählt; die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver ebenfalls und zwar für all ihre Werbung, für Trikots der Sportler und sowieso und überhaupt; und dann fand er sie auf einer Speisekarte in einem indischen Imbiss bei sich um die Ecke.

Aber, obwohl jeder nun seine Schriften mit Vornamen kannte, wusste immernoch keiner wer die Person dahinter war. Seb zeigte uns ein Bild seines Schreibtischs, gefolgt von einem kurzen Video in welchem er eine Kalligraphie machte. Dieses Video, nebst vielen anderen (Best of gefällig?), hat ihn in wenigen Wochen in die Welt der Social-Media katapultiert und schließlich international bekannt gemacht.

Auch wenn ich kein Experte auf dem Gebiet bin, so liebe ich doch Schriftarten und Schriftsatz ist ein kleines Hobby von mir. Ich hab mich auch mal an Kalligraphie versucht, bin aber relativ schnell und kläglich gescheitert. Um ehrlich zu sein, ich hab schon Probleme mit meiner Unterschrift, seit ich den Nachnamen meiner Frau nach unserer Heirat angenommen habe.

Einige fanden seinen Talk zu aufgesetzt und sahen den Zweck hauptsächlich in der Eigenwerbung. Ich hingegen fand ihn inspirierend und sehr interessant, da man einen ganz neuen Blickwinkel auf die eigene Arbeit bekam. Es kann sein, dass man eine der schönsten Schrift entwickelt, welche im Weltall und bei den Olympischen Spielen verwendet wird - und dann findet man sie auf der Speisekarte im Imbiss nebenan.

Der letzte Talk von Tag Eins

Die Illustratorin Yoku Shimizu, welche schon so manchen Preis gewonnen hat und dieses Jahr das Shirtdesign für Beyond Tellerrand entwickelt hat, kam auf die Bühne und brachte einen lustigen, aber auch inspirierenden Talk mit. Da sie ihr Englisch in New York gelernt hat, brachte sie auch eine beachtliche Sammlung Schimpfwörter mit. Nicht falsch verstehen! Das hatte in keinster Weise einen negativen Einfluss auf die Qualität ihres Talks.

Was für mich aber wirklich wichtig war, waren ihre Slides. Wundervolle Illustrationen, so einzigartig und doch wiedererkennbar als ihre. Jede einzelne ein Kunstwerk.

Ich musste sehr lachen, als sie sagte (das ist jetzt nur der ungefähre Wortlaut):

"Ich hab mal ein Batman Cover machen dürfen. Publikum klatscht und gröhlt Ich weiß, ich weiß. Danke schön. Es ist zurückblickend nicht unbedingt meine Lieblingsarbeit. Aber sie ist immer wieder nützlich, wenn es um Street Credibility geht, da ich jungen Studenten Illustration beibringen möchte."

Ein Kundenprojekt von ihren frühen Jahren als Illustratorin zeigte, was für eine epische Herausforderung es sein kann, wenn man Illustrationen für eine Zeitung machen muss - auf Abruf - in der Nacht bevor die Zeitung in Druck geht. Was Yuko klarmachte war, dass es hieß:"Entweder du arbeitest die Nacht durch und nimmst jedwedes Feedback an und integrierst es irgendwie in deine Arbeit oder du bist raus aus dem Geschäft." Denn dein Kunde würde jedem in seinem Netzwerk erzählen, wie du seinen Ansprüchen nicht gerecht wurdest. Nicht jeder traut sich so offen über Kundenansprüche zu reden, wenn die Person gerade auf einer Bühne steht.

Hotel? Welches Hotel?

Direkt nach der Konferenz waren wir essen und da Jan und Mario noch nie in der Altstadt von Düsseldorf waren, sind wir dort als nächstes hin.

"Die längste Theke der Welt" besteht aus über 300 Bars, Restaurants, Discotheken, Brauereien und Pubs verteilt auf einen halben Quadratkilometer. Wenn du etwas trinken willst, dann bist du hier am richtigen Platz. Diese paar Straßen bleiben definitiv im Gedächtnis hängen.

Da wir am nächsten Morgen noch aus den Augen schauen wollten, immerhin ging die Konferenz noch einen ganzen Tag, machten wir nicht die Nacht zum Tag und sind nach einiger Zeit ins Hotel verschwunden.

Tag Zwei

Aufwachen. Du stellst fest, du bist immernoch im selben Hotel. Du stellst fest, es ist Zeit für Tag Zwei der BTConf. Duschen, Frühstück und ab zum Capitol nochmal

Feg den Kater vor die Tür

Während wir es haben langsam angehen lassen, sahen einige andere Teilnehmer (und Speaker?!) nicht ganz so fit oder überhaupt wach aus, als der zweite Konferenztag anfing.

Aber nach fünf Minuten von Espen Brunborgs Talk waren alle wieder wach und aufnahmefähig. Ich glaube das war der lustigste, frischeste und interessanteste Talk, den ich in den letzten Jahren gesehen habe. Von der Art der Präsentation, über das Thema bis zu den Kernpunkten - es hat einfach alles gestimmt.

Ich hab ihn sogar dabei erwischt, wie er "Planet der Affen" zitiert hat, was mich an jemand anderen erinnert hat, der das immer mal wieder tut.

Abgesehen von allem Gelächter und der Scherze hat die Präsentation einen Punkt klargemacht, den auch Christian Heilmann am ersten Tag schon aufgeführt hatte: es geht nicht um die eine Wahrheit und dass andere "es eben einfach nicht verstehen". Vielmehr ist es wichtig zu verstehen, dass beide Enden des Entwicklerspektrums recht haben mit ihren Ansichten und Aussagen, und dass man gemeinsam wirklich großartige Dinge entwickeln kann.

Jeremy Keith hat einen Talk gehalten und nicht "Progressive Enhancement" gesagt

Nun kam Jeremy an die Reihe. Er ist für Ellen de Vries eingesprungen, die leider nicht kommen konnte und ich muss schon sagen, das ist eine ordentliche Vertretung gewesen. Jeremy hat am Samstag und Sonntag vor der Konferenz zusammen mit Joschi Kuphal das Indie Web Camp abgehalten und wollte eigentlich nur im Publikum sitzen.

Nunja, so viel zu gut gemachten Plänen. Da steht er also auf der Bühne und spricht darüber wie wir, als Entwickler, die Technologien abwägen müssen, die wir täglich benutzen. Wie gut funktioniert sie? Wie gut schlägt sie fehl? Beides wichtige Fragen, die man sich stellen sollte, wenn man sich aufmacht Technologie von morgen auszuprobieren. Wie gut passt das es zu meinen Bedürfnissen? Wie sehr hilft es dem Benutzer?

Jeremy zitierte Postels Prinzip, welches ein Grundsatz beim Software Design ist:

"Sei streng bei dem was du tust und offen bei dem was du von anderen akzeptierst."

Es war eine Freude Jeremy zuzuhören. Seine Quelle an Wissen und seine Fähigkeiten als Geschichtenerzähler sind einfach riesig. Obwohl er nicht ein Mal "Progressive Enhancement" sagte, hat er die Idee dahinter doch wieder untergebracht. Dies, indem er darauf hinwies, dass das Abwägen einer neuen Technologie unter Aspekten wie Stabilität und Usability, der Weg ist, den wir gehen sollten.

Performance und Barrierefreiheit

Nun kam der Talk, auf den ich mich am meisten gefreut hatte: Patty Toland von Filament Group sprach über Performance. Die Filament Group, welche den Agentur des Jahres Preis bei den Net Awards 2015 gewonnen hatte; die unter anderem loadCSS entwickelt hat, ein Script, welches ich in absolut jedem Projekt nutze, seit ich es das erste Mal gesehen hatte.

Patty hat mich nicht enttäuscht. Auch wenn sie den Talk sehr schnell gehalten hat und die Slides in Sekunden gewechselt haben, so konnte ich doch ganz gut folgen, da ich regelmäßig den Blog der Agentur lese und auch schon Scott Jehls Buch Responsible Responsive Web Design, veröffentlicht bei A Book Apart, (Buchempfehlung: check) durchgeackert habe. Zum Glück kann man die Slides in dem Wrap-Up Post, welchen ich zu Anfang erwähnte, nochmal anschauen.

Patty zeigte wie schlechte Performance das Leben der Benutzer beeinträchtigt, dass es ein Problem in punkto Barrierefreiheit ist und wie Datenmenge Menschen eine Menge Geld, welches sie vielleicht nicht mal haben, kosten kann - und all das während sie es mit Statistiken und Studien untermauerte. Einfach traumhaft.

Das 3G Netzwerk macht weltweit fast 40% der täglichen Zugriffe auf das Internet aus. 2G ist genauso weit verbreitet, wenn man globale Statistiken hinzunimmt und circa 20% der Menschen in Nordamerika haben nur ein Smartphone oder ähnliches mobiles Gerät, um aufs Internet zuzugreifen - kein Desktopcomputer, kein Laptop oder eine Breitbandverbindung in Sicht. Darüber sollte man nochmal nachdenken, wenn wieder einer um die Ecke kommt und sagt:"Hey, wir haben doch inzwischen alle Glasfaserleitungen. Wen kümmert schon Datenmenge oder Performance heutzutage?"

Ich hoffe, dass sich mehr Menschen um das untere Spektrum an Geräten und Netzwerkgeschwindigkeiten kümmert, jetzt, wo sie Patty auf der Bühne gesehen haben.

Erzähl eine Geschichte mit JavaScript

Sarah Drasner erzählte dem Publikum wie mit JavaScript animierte SVG Grafiken Teil der Benutzerführung sein können und wie ein Interface dadurch nicht nur benutzerfreundlicher sondern auch wirklich begeisterungswürdig werden kann.

Ihre Präsentation beinhaltete einige Animationen, welche sie selbst entwickelt hatte. Zu sehen, wie schrittweises Anzeigen von Informationen diese einfacher zu verarbeiten macht, war wirklich beeindruckend.

Da Sarah an vorderste Front steht, wenn es um JavaScript geht, erzählte sie auch über ihre Erfahrungen mit React und Vue, zwei der derzeit beliebtesten JavaScript Frameworks. Da ich bisher nur meinen kleinen Zeh ins kalte Wasser der Vue-Entwicklung gesteckt hatte, war es sehr hilfreich sie darüber reden zu hören.

Glücklicherweise saß ich beim Abendessen Sarah gegenüber und wir hatten die Chance kurz und voller Begeisterung, wild gestikulierend darüber zu reden, wie wir Vue lieben. Das Resultat war, dass Jeremy sagte:"Ihr redet darüber, als hättet ihr Jesus gefunden." Nun, nicht ganz, aber es bestimmt nahe dran.

Sind Maschinen kreativ?

Quasimondo, auch als Mario Klingemann bekannt, arbeitet im Bereich Deep-Learning und Machine-Learning, ein mir ziemlich unbekanntes Universum. Ich weiß in diesem Bereich so gemacht wird aber es lässt mich am Ende doch immer wieder mit Fragezeichen über dem Kopf zurück.

Es war umso beeindruckender was Mario so zeigte. Er stellte die Frage, ob eine Maschine kreativ sein kann und beantwortete diese mit einer Gegenfrage:

"Können Menschen kreativ sein?"

Indem er endlos in Kunstwerke zoomte, welche von Maschinen erstellt wurden oder indem er zeigte, wie ein Computer Portraitzeichnungen machte (sah sehr nach dem aus, was ein Kind in der Grundschule zum Thema beizutragen hätte), zeigte den Ansatz dessen, zu was seine Geräte so fähig sind.

Auch wenn ich großte Teile des Talks nicht verstanden habe, ich fühlte mich wie weggeblasen. Ich hatte keinen Schimmer, zu was Computer inzwischen so in der Lage sind. Sicher, viele haben gehört wie ein Computer einen Menschen in Schach, Go oder Space Invaders besiegt hat aber ein Computer der Kunst erschaffen kann? Ich hatte das Gefühl, dass das schon noch ein ganz anderes Niveau ist.

Eine Sache, die sicherlich nicht jedem sofort aufgefallen ist: Marios Slides hatten alle Computer-Kunst als Hintergrund. Man konnte es nicht wirklich wissen, bevor man nicht so bis zur Hälfte des Talks aufmerksam zugeschaut hatte. Es sah aus wie eine Makroaufnahme eines alten Ölbilds, wo sich die ersten Risse im Lack zeigen. Uff. Beeindruckend.

Alles hat ein Ende, auch die guten Dinge

So kam es dann zum letzten Talk und zu einem für mich (und sicher auch für viele andere im Publikum und unter den Speakern) sehr schönen und auch persönlichen Thema. "Ich bin ein Fan von David Bowie!" können Millionen Menschen auf der Welt von sich behaupten und ich behaupte das ebenso von mir.

Auf der Bühne stand Jonathan Barnbrook, der die letzten 15 Jahre mit David Bowie an dessen Album-Artwork gearbeitet hatte. Mit viel Witz und tiefblickend, ohne sich selbst oder seine Arbeit zu ernst zu nehmen, sagte Jonathan, dass es wichtig sei, sich nicht zu viel auf seine eigenen Werke einzubilden.

Man kann für eine der schillerndsten Figuren der Popkultur arbeiten und sein Bestes geben und trotzdem wird es immer Leute geben, die "es einfach nicht verstehen".

Indem er Artwork für die vier letzten LPs von David Bowie zeigte und weitere seiner Werke (Arbeiten für Adbusters zum Beispiel) zeigte ganz klar, dass gutes Deisng nicht mit Dingen vollgestopft ist um etwas klar darzustellen. "Gutes Design, ist so wenig Design wie möglich." ist eine der Designprinzipien von Dieter Rams und hier stand jemand auf der Bühne, der ein sehr klares Verständnis davon hat, was damit gemeint ist.

Allerings sieht das eben nicht jeder so und als Jonathan zeigte wie die Menschen auf sein Design für "Blackstar", Bowies letztes Album, reagierte, wurde das ziemlich klar:

"Dieser Jonathan Barnbrook muss der faulste Designer der Welt sein!"

und

"Ich wette der hat Millionen für seinen scheiß schwarzen Stern auf weißem Hintergrund verlangt. Das ist doch lächerlich!"

waren nur zwei von einigen "freundlichen" Kommentaren, die er so via Social-Media erhalten hat.

Das Ende

Diese Auflage des Beyond Tellerrand Event in Düsseldorf war genauso gut, wie die das Jahr zuvor. Vielen, vielen Dank an Marc Thiele, der nie müde wird all die kleinen Details herauszuarbeiten. Ich kann gar nicht alle erwähnen, da dieser Blogbeitrag so schon sehr lange ist. Wenn ich Marc in einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es:"fürsorglich". Nochmals, danke! Danke fürs kümmern und sich die Zeit zu nehmen vor, nach und während der Konferenz jedem seine X-Fragen zu beantworten. Mag sein, dass das eben seine Arbeit ist und er es deswegen tun muss aber man sieht einfach, mit welcher Exzellenz er dies tut und mit welcher Begeisterung er hinter seiner Arbeit steht. Wäre diese Begeisterung nicht vorhanden, wäre BTConf wahrscheinlich auch nur ein Event unter vielen.

Abschließend will ich noch sagen: solange es die Beyond Tellerrand gibt, solange werde ich auch wieder ein Ticket kaufen und vor Ort sein. Bei dem Preis-Leistungs-Verhältnis und dieser einladenden und familiären Athmosphäre, wie könnte ich das nicht.